Die Straßen von Alexandria

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Als die Gentrifizierung von Großstädten noch kein Thema war und US-Amerikaner lieber in den Vororten wohnten statt mitten im Zentrum, war ein Ort vor den Toren Washingtons besonders begehrt: Alexandria. Das Städtchen gilt auch heute noch als Heimat der Gutbetuchten oder der Beamten höheren Dienstgrades. Das Verteidigungsministerium liegt in unmittelbarer Nähe, das Patentamt wurde sogar 2005 komplett nach Alexandria verlegt. Hinzu kommen noch einige Firmen in Privathand, die sich in dem Ort niedergelassen haben.

Für Touristen ist Alexandria wegen seines historischen Kerns beliebt. Das Old Town besitzt zahlreiche Häuser aus der Kolonialzeit und der frühen Unabhängigkeits-Ära. Boutiquen und Restaurants reihen sich aneinander, ein kostenloser Trolley bringt die Besucher bis zum Potomac River. Bei schönem Wetter lohnt es sich allerdings mehr, die 20-minütige Strecke von der Metrohaltestelle bis zum Fluss zu Fuß zurückzulegen.

Unweit der U-Bahn-Station befindet sich zudem das George Washington Masonic National Memorial. Der Freimaurertempel mit Aussichtsturm wurde zu Ehren des ersten Präsidenten erbaut, der ebenfalls dem ethischen Bund angehört hatte. Washington war sogar für einige Zeit Großmeister der Freimaurer-Loge in Alexandria – was erklärt, warum der Tempel hier steht und nicht in Washington, DC. Das Gebäude sollte an die Denkmäler auf der Mall erinnern: So wie Abraham Lincoln und Thomas Jefferson ein Memorial mit überlebensgroßer Statue im Inneren besitzen, so sollte auch George Washington einen Schrein erhalten. Der zehnstöckige Turm wiederum soll dem antiken Leuchtturm von Alexandrien nachempfunden worden sein, immerhin eines der sieben Weltwunder.

Anders als in Deutschland, wo die Freimaurer eher als Geheimbund hinter verschlossenen Türen fungieren, sind die Ordensbrüder hier eher aufgeschlossen für Touristen. Es gibt Führungen, die sogar einen Blick in die Messe-Säle erlauben. Außerdem erklärt ein Raum mehr darüber, wie man sich den Freimaurern anschließen kann (man muss vorgeschlagen werden und dann müssen alle Mitglieder der Loge einstimmig die Aufnahme befürworten) und welche höheren Ranggrade es gibt. Diese Offenheit machte ein wenig den Zauber der Freimaurer kaputt, der durch Bücher wie „The Lost Symbol“ von Dan Brown entfacht wurden. Spannend war der Besuch allemal.

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Ein Gedanke zu “Die Straßen von Alexandria

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