Prozession durch Little Italy

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Gestern war der Namenstag des Heiligen Januarius, des Schutzpatrons von Neapel. Der ehemalige Bischof der süditalienischen Stadt lebte zur Zeit von Kaiser Diokletian im antiken Rom und wurde 305 nach Christus zum Tode verurteilt. Der Legende nach hat eine neapolitanische Frau das Blut des enthaupteten Bischofs mit Hilfe eines Schwammes aufgesaugt und damit mehrere Ampullen gefüllt. Jedes Jahr zu seinem Namenstag werden diese Gefäße herausgeholt und zu Januarius Grab in Neapel getragen. Wenn das geronnene Blut wieder flüssig wird, ist es ein Zeichen dafür, dass der Patron seine Hand schützend über die Stadt hält.

An dieses Ritual und an die anschließende Parade erinnert auch das Feast of San Gennaro in Little Italy. Das Viertel im südlichen Teil Manhattans war im 19. Jahrhundert Wohnort aller italienischen Flüchtlinge in New York. Es erstreckte sich über drei Straßen, die jeweils nach unterschiedlichen Regionen aufgeteilt waren. Neapolitaner lebten in der Mulburry Street, Kalabrier in der Mott Street, Sizilianer in der Elisabeth Street. Weil die Männer und Frauen aus den verschiedenen Teilen Italiens andere Dialekte sprachen, blieben sie unter sich. Es galt als verpönt, eine Person aus einer anderen Region zu heiraten.

Die Menschen wohnten in kleinen schäbigen Mietshäusern, verdienten ihr Geld als Arbeiter oder Pizzabäcker (das Lombardi’s gilt als erste Pizzeria, die in New York öffnete). Und natürlich spielte Religion eine wichtige Rolle. Das Feast of San Gennaro wurde 1926 in Manhattan eingeführt, um eine lieb gewonnene Tradition aus der Heimat aufrecht zu erhalten. Mittlerweile erstreckt sich die Feier über zehn Tage. Drei Mal in dieser Zeit finden Prozessionen statt, in denen eine Figur des Heiligen durch die bunt geschmückten Straßen getragen wird – beginnend von der Church of the Most Precious Blood. Dazu spielt eine Blaskapelle italienische Lieder. Und natürlich gibt es auch jede Menge Essensstände, an denen man Delikatessen aus Italien kaufen kann.

Mittlerweile hat Little Italy ihren Enklavencharakter verloren. Die Nachkommen der ersten Einwanderer haben sich integriert, verdienten mehr Geld und zogen in wohlhabendere Gegenden. Wenn man heute durch Little Italy geht, findet man nur noch an einigen wenigen Straßenblöcken Pizzerien oder Weinläden. Eine Volkszählung aus dem Jahr 2010 hat ergeben, dass nur noch fünf Prozent der Einwohner von Little Italy aus Italien stammen Ein noch kleinerer Anteil von ihnen beherrscht die Sprache der Eltern und Großeltern. 1950 hatten noch 50 Prozent angegeben, Italo-Amerikaner zu sein.

Umso wichtiger ist den Verbliebenen, die Traditionen fortzusetzen. Die Feier von San Gennaro bietet eine grandiose Möglichkeit, sich an die eigenen Wurzeln zu erinnern.

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