Eine Stadt gedenkt ihrer Toten

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13 Jahre ist es her, dass zwei entführte Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gelenkt wurden und diese zum Einstürzen brachten. Fast 3000 Menschen kamen ums Leben, eine Nation war parallisiert. Von den Zerstörungen ist heute nicht mehr viel zu sehen: Rund um den Ground Zero wird wieder gebaut. Neue Wolkenkratzer wie das im nächsten Jahr öffnende One World Trade Center recken sich in die Höhe, die Schuttberge sind einem Park gewichen. Wie traumatisch die Ereignisse waren, wird allerdings am Jahrestag der Anschläge deutlich. Dann erinnert sich New York wieder an den Tag, als die Luft grau von Aschestaub wurde.

Es beginnt schon in der Nacht zum 9. September, wenn auch viele junge Menschen auf Facebook erzählen, wo sie an diesem Tag waren. Beileidsbekundungen werden verschickt, Parolen auf die Stärke der USA geschrieben. Am Vormittag des Terrortages hält New York dann inne. Um 8.46 Uhr, dem Zeitpunkt des Flugzeugeinschlags in den Nordturm, ertönt fast überall in der Stadt Glockengeläut. Die Menschen bleiben stehen.

Besonders ehrwürdig und ernst ist die Stimmung am 9/11 Memorial, dem Mahnmal direkt am Ground Zero. Das Gebiet ist an diesem Tag nur für Angehörige der Opfer zugänglich. Alle anderen können die Zeremonie live im Fernsehen verfolgen. Eine kleine Glocke stimmt auch hier die Schweigeminute ein, danach werden die Namen der Opfer verlesen. Zwischendurch treten Familienmitglieder ans Rednerpult, sprechen kurz über ihre Verstorbenen. Sie alle tragen eine hellblaue Schleife, die Farbe der Schilder und Plakate rund um das Mahnmal.

Das Memorial selbst besteht aus zwei quadratischen Brunnen mit den Umrissen des jeweiligen Turmes. Das Wasser fällt von den Rändern her in ein Becken und verschwindet in einem schwarzen viereckigen Loch in der Mitte. Namenstafeln umfassen die Brunnen. Manche Namen sind mit einer Rose versehen, was bedeutet, dass die Person vor kurzem Geburtstag gefeiert hätte.

An einer Seite des Parks ist das neue September 11 Museum zu finden. Am Jahrestag des Terroraktes dürfen nur Familienangehörige ins Innere, an allen anderen Tagen kann man für 24 $ Tickets erwerben. Viele Bürger halten den Preis für überteuert und ärgern sich, dass man aus den Anschlägen Geld machen möchte. Und noch ein anderes Thema erregt zurzeit die Gemüter: der September 11th Victim Compensation Fund. Der Hilfsfonds wurde kurz nach den Anschlägen gegründet, um den Familien Entschädigungen für den Tod ihrer Angehörigen zu zahlen. Mittlerweile wird das Geld vor allenm genutzt, Menschen mit psychischen Langzeitbeschwerden zu unterstützen. Doch ein Teil der Finanzmittel soll 2015 auslaufen – viel zu früh, wie Traumaverbände beklagen.

Das Memorial ist aber nicht der einzige Ort, an der man der Toten gedenkt. Das Lincoln Center führt den „Table of Silence“ auf, eine Choreografie mit über 100 Tänzern.

In Brooklyn wird ein kostenloses Konzert angeboten, in Queen eine Lichterprozession. Die New Yorker Feuerwehr hat eine eigene Gedenkparade mit der Blaskapelle Emerald Society Drums and Pipes. Doch der Höhepunkt kommt am Abend, wenn die „Tribute in Light“ erstrahlt: zwei Lichtsäulen, die in den Himmel ragten und an die Schemen des World Trade Centers erinnern. Es wirkt wie ein sehr hoffnungsvolles Zeichen, an einem Tag, der für viele immer noch mit Schmerz und Verlust verbunden ist.

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