Die Extremwarter vor dem Apple Store

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Seit einigen Tagen ist auch in New York der Apple-Hype zu bemerken. Zeitungen und TV-Anstalten berichten über die neuen Produkte, das iPhone 6 sowie die heiß erwartete Apple Watch. Vor allem diese Armbanduhr, mit der man in Zukunft Anrufe entgegennehmen, Musik hören oder Notizen diktieren können soll, ist Gesprächsthema in Cafés oder der U-Bahn.

Ich selbst habe diese Versessenheit auf alle Produkte mit Apfel-Logo noch nie verstanden. Doch sie fällt hier auf: Als ich vor Kurzem mit der Subway zurück zu meinem Zimmer gefahren bin, wurde mir das ganz besonders klar. Allein sieben Personen um mich herum hatten ihr iPhone gezückt, um zu spielen oder im Internet zu surfen. Schließlich entdeckte ich auch einen Mitfahrer, der ein Samsung-Galaxy in der rechten Hand hielt. Dann schaute ich genauer hin: In der linken Hand hatte er zusätzlich ein Apple-Handy.

Nun kommt am 19. September das iPhone 6 auf den Markt. Die ersten Menschen stehen schon jetzt vor dem Laden auf der Fifths Avenue. So wie Hunter Kemp (Mitte) und Jonah Wong. Hunter ist seit sechs Tagen hier. Nicht etwa, weil er ein großer Apple-Fan ist, sondern weil er Geld verdienen möchte. Er hat drei Stühle aufgestellt und will seine Plätze verkaufen – für jeweils 2000 $. Je näher der iPhone-Termin rückt, desto größer werde nämlich die Schlange, sagt er. In den letzten Jahren zog sie sich einmal über den gesamten Block. Ein neuer Blockbuster sozusagen. Und natürlich wird nicht jeder der Wartenden ein Gerät erhalten. „Deshalb gibt es bestimmt einige Menschen, die meinen Platz abkaufen“, sagt Hunter zuversichtlich.

Jonah wiederum arbeitet für eine Firma aus Hongkong, die mobile Handyakku-Ladestationen entwickelt. Das Unternehmen hat ihm den Flug aus Hongkong nach New York bezahlt und kommt auch für seine Verpflegung auf. Dafür muss er den grünen Pulli mit Firmenlogo tragen. Anders als Hunter, der täglich nach Hause gehen kann, übernachtet Jonah vor dem Apple Store. Am 3. September kam er an. „Das Leben auf der Straße ist bisher angenehm verlaufen“, sagt er. Um kostenlos duschen zu können, hat er eine Monatsmitgliedschaft im YMCA gekauft. Der Apple-Store stellt seine Toiletten kostenlos zur Verfügung. Und wenn der Hunger groß wird, geht einer der Wartenden zum nächsten Fast-Food-Laden.

Ob es denn nicht langweilig werde? Jonah lacht: „Alle zwei Minuten bleibt ein Passant stehen und unterhält sich mit uns. Ich habe noch nie so viele Menschen kennengelernt wie hier.“ Nur in der Nacht falle es manchmal schwer, einzuschlafen. Dann sitzt er eingehüllt in seinem Schlafsack auf dem Stuhl, mit Kopfhörern im Ohr. Damit er den Straßenlärm nicht so laut hört.

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