Samstagsbrunch und andere NYC-Traditionen

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Wie wird man zu einem richtigen New Yorker? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Im Internet gibt es ganze Foren, die sich dem Thema widmen. Das Online-Magazin „The Gothamist“ und „Time Out New York“ haben jeweils amüsante Listen zusammengetragen, wie man einen echten New Yorker erkennt. Außerdem kann man auf einigen Websites Verhaltensregeln finden, um nicht ganz so sehr als Landei (jeder Mensch, der nicht aus NYC stammt) aufzufallen.

Ampeln sind ein gutes Beispiel: Nur ein Tourist wartet, bis es grün wird. Alle anderen gehen einfach über die Straße, oft auch ohne dass es überhaupt eine Ampel gibt. Jaywalking nennt man das hier. Natürlich ist das eher ein Zeichen für Großstadtbewohner. Menschen in Paris oder Rom achten ja ebensowenig auf Verkehrsschilder.

Deshalb zum zweiten Punkt: Abfall und Ungeziefer. So toll die Stadt auch ist, vor allem in den Sommermonaten kommt es vor, dass einem beim Heraustreten aus der Subway-Station ein penetranter Geruch entgegenweht. Mein Kumpel Ben, der mich freundlicherweise etwas in die New Yorker Kultur einführt, hat mir erklärt, dass ich vermeiden sollte, am Müllabfuhrtag durch die Straßen zu laufen. Abends wiederum kann man sich darauf einstellen, Kakerlaken oder Ratten auf den Wegen entlanghuschen sieht. Sie gehören ebenso zum Flair der Stadt wie die Yellow Cabs.

Wobei wir beim dritten Punkt angelangt wären: das richtige Herbeiwinken eines Taxis. Bisher musste ich mich dieser Herausforderung noch nicht stellen, weil ich mit meinem Subway-Ticket hervorragend von einem Ort zum nächsten gelangen kann. Aber man sieht hier sehr schnell, wer Erfahrung mit Taxifahrern hat und wer verängstigt am Straßenrand steht. Der richtige New Yorker hält meist ein Handy in der einen Hand, eine Handtasche/Aktenordner/Kaffebecher in der anderen, mit der er das Auto ruft, während er lauthals ins Telefon schreit.

Was aber ganz gewiss zu einem typischen Leben in New York gehört, ist das Brunchen. Jedes Wochenende bieten die meisten Restaurants spezielle Essensangebote für den frühen Nachmittag an. „Du bist kein New Yorker, wenn du nicht mindestens einmal mit uns gebruncht hast“, erklärten mir bereits meine Mitbewohner in DC. Also ließ ich mich gestern in die hohe Kunst des New Yorker Brunchens einführen.

Anders als in Deutschland besteht der Brunch in New York nicht aus einem All-You-Can-Eat-Buffet, sondern aus einem ganz normalen Gericht, das man einmalig bestellt. Meist handelt es sich dabei um ein Frühstücks-Sortiment: Eier, Bacon, Salat, Pancakes. Für den größeren Hunger gibt es Burritos oder Quiches. Das besondere hier ist das Getränk: Zum Brunch in New York gehört Alkohol. Was um die Mittagszeit für meine Verhältnisse ziemlich früh war.

Die meisten Cafés bieten das sogenannte bottomless brunch an: Mindestens eine Stunde, manchmal sogar länger, bekommt man sein Getränk nachgefüllt. Was bei meinen Mit-Brunchern bedeutete, dass sie vier Gläser leerten. Zur Auswahl stehen typische US-amerikanische Cocktails: Bloody Mary (Tomatensaft, Tabasco, Wodka), Margarita (Tequila, Curaçao, Zitronensaft, Salzrand am Glas) oder Mimosa (Sekt mit Orangensaft).

Nach dem Brunch sollte man eine gewisse Strecke spazierengehen. Da kann man entweder zu den vielen Flohmärkten, die hier am Wochenende stattfinden – vor allem im West Village und im Brooklyner Hipster-Viertel Williamsburg. Oder man fährt in den Central Park und entspannt auf der Wiese. Das ist auch etwas, was nur New Yorker machen: nicht mit einer Kamera um den Hals durch den Park laufen und Fotos schießen, sondern einfach eine Picknickdecke und ein Buch unterm Arm nehmen und sich irgendwo zum Sonnen hinlegen. Mir als großem Foto-Fan fiel es ziemlich schwer, meine Kamera zu Hause zu lassen. Aber ich habe es tatsächlich schon geschafft. Man will ja nicht negativ auffallen hier.

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