Der Image-Aufpolierer

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Thomas Knights hat die gesamte Kindheit über seine Haare gehasst. In der Schule wurde aufgezogen, weil er als Rotschopf anders aussah als seine Klassenkameraden. Dabei wuchs er in Großbritannien auf, wo es statistisch mehr Menschen mit roten Haaren gibt als in vielen anderen Ländern. Das muss doch einfacher gewesen sein? „Hast du eine Ahnung“, sagt er und schüttelt den Kopf. „Großbritannien ist das schlimmste Land für Rothaarige. Wir ‚ginger men‘ haben ein sehr schlechtes Image.“

Das will der Fotograf ändern, mit seiner Ausstellung „Red Hot“, die hier in New York gerade eröffnet wurde. Dafür ließ er 120 junge, gutgebaute Männer mit fuchsroter Mähne ablichten. Mit nacktem Oberkörper, vor blauem Hintergrund, damit die Haare noch stärker hervorstechen. Alles sehr Pin-Up-mäßig. Was ich ihm bei unserem Gespräch in der BOSI Galerie auch sage. Knights lacht: „Ja, ich habe meine Kerle ziemlich verdinglicht. Aber das ganze musste sehr erotisch wirken, sie sollten so attraktiv wie möglich erscheinen. Traumtypen eben. Damit jeder versteht, dass Rothaarige auch sexy sein können.“ Bisher hätte das nur für Frauen gegolten, Männer wurden einfach als hässlich abgestempelt.

Knights nennt seine Fotoserie ein „rebranding“. Aktuell seien rote Haare bei Männern die uncoolste Marke der Welt. Er möchte sie zum begehrenswerten Ding machen. Und zumindest in New York kommt die Aktion sehr gut an. Bereits vor der Eröffnung hatte die Online-Seite „Buzzfeed“ ein paar Fotos veröffentlicht, die viral gingen. So wurde auch ich auf die Aktion aufmerksam und kam hin, um für dpa eine Story zu verfassen. Bei der Vernissage selber konnte man sich fast nicht durch die Galerie bewegen, so vollgepackt war sie.

Aufmerksamkeit zu generieren, das gelang Knights vor einiger Zeit schon mit einem Video, in das sich sogar der bekannte Late-Night-Talker Conan O’Brien hineinschneiden ließ. Sehr lustig anzusehen.

Mitten unter den Besuchern der Ausstellungseröffnung befanden sich auch einige der Models. Darunter Ken, der Coverboy des neu erschienenen Buches „Red Hot 100“. Der Däne stand für Knights das erste Mal vor der Kamera. Der Fotograf hatte ihn in einem juice shop in London hinter der Theke entdeckt und angesprochen. Nun besitzt Bek einen Modelvertrag. „Ich wusste nicht, dass ich hübsch bin. Bis zu dieser Aktion“, sagt der 21-Jährige. Dann muss er wieder posieren, mit den nächsten Besuchern, vor seinem Foto.

Die Ausstellung ist noch bis 14. September in New York zu sehen und geht dann auf Welttournee. Für Deutschland laufen Gespräche mit Galerien in Berlin und München. Knights will erst aufhören, wenn man akzeptiert, dass Männer mit roten Haaren auch gut aussehen können. Er selbst hat sich vor kurzem einen Bart wachsen lassen. Natürlich in „ginger“. Und darauf ist er stolz.

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