Der Modeblogger von nebenan

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An diesem Donnerstag beginnt in New York die Fashion Week. Eine Woche lang präsentieren dann die bekanntesten Modehäuser ihre Herbstkollektionen, während die Redakteure von „Vogue“, „Elle“ oder „Marie Claire“ von den vorderen Reihen aus die Kleider kritisch beäugen. Mitten drin im Geschehen wird auch dieser junge Mann aus dem oberen Foto sein: Justin Livingston, 26 Jahre alt und hauptberuflicher Modeblogger.

Vor zwei Jahren hat er angefangen, über Streetware und Lifestyle im Internet zu schreiben. Und das so erfolgreich, dass er 2013 beschloss, seinen Job zu kündigen und nur noch vom Bloggen zu leben. Livingstons Seite „Scout Sixteen“ hat mehr als 250 000 Leser und ist deshalb für große Modelabels wie „American Eagle“ oder „Gap“ interessant. Sie schickem ihm  Probe-T-Shirts und -hosen – in der Hoffnung, dass er darüber schreibt.

Auch Unternehmen außerhalb der Kleidungsindustrie sind auf den jungen Wahl-New-Yorker aufmerksam geworden. „Budweiser“ hat ihn vor kurzem gemietet, um über ein von der Firma organisiertes Konzert in Philadelphia zu berichten. Reisekosten und Unterkunft natürlich inklusive. Das Mariott Hotel möchte wiederum, dass er während der Fashion Week an einer „Blogging Night“ teilnimmt. Dann soll er mit anderen Internetautoren darüber schreiben, wie er eine Nacht auf Kosten des Mariotts verbringt.

Jede Namensnennung ist ein Gewinn, weil sie Klickzahlen im Internet generiert. Das wissen die Firmen und sind bereit, große Summen zu investieren: Livingston erzählte mir, dass er mehr als 100 000 Dollar im Jahr verdient – für Fotoshootings oder PR-Kampagnen. Das ist das Vielfache von dem, was er in seinem Social-Media-Job erhalten hat. Und noch weitaus mehr als die Einnahmen seiner Schulfreunde: Livingston stammt ursprünglich aus Mississippi, das als US-Staat mit den meisten Arbeitslosen und dem geringsten Einkommen gilt.

Das Beeindruckende bei unserem vormittäglichen Gespräch im „Think Coffee“ war seine Natürlichkeit. Obwohl er durch die Welt jettet und mit Stars auf der Bühne stand, ist er bescheiden geblieben. Livingston wohnt noch immer im West Village in einer Dreier-WG, weil er nicht einsieht, zu viel Geld für eine Wohnung in New York auszugeben. Und er betonte ständig, wie wichtig ihm Authentizität sei: „Ich schreibe nur über Marken, die mich interessieren. Ich bewerbe niemanden des Geldes wegen.“ Genau das schätzen auch seine Fans an ihm.

Livingston gehört zu einer ganzen Gruppe an Modebloggern, die es in den inneren Zirkel der renommierten Fashion Week geschafft haben. Im Vergleich zu den großen Namen, zu Bryanboy oder Leandra Medine etwa, verdient er immer noch verhältnismäßig wenig. Diese Internetautoren der ersten Stunde gelten heute als Millionäre. Vor allem weil sie es geschafft haben, über Jahre hinweg mit ihren Lesern so zu kommunizieren, dass sie als die guten Freunde von nebenan erscheinen.

Natürlich ist Bloggen auch Arbeit. Jeden Tag neuen Content zu generieren, Fotos zu schießen, Texte zu schreiben – und seien sie noch so kurz – stellt eine Herausforderung dar. „Aber es ist der beste Job der Welt“, sagte mir Justin. Dann verließ er das Café Richtung Apartment, um einen neuen Blogeintrag zu verfassen.

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