Zwischen Brooklyn und Manhattan

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Sie gilt als eines der Wahrzeichen von New York und ist die meistfotografierte Sehenswürdigkeit der Stadt – neben der Freiheitsstatue und dem Empire State Building. Die Rede ist von der Brooklyn Bridge. Die neugotische Hängebrücke führt über den East River und verbindet den Stadtteil Manhattan mit Brooklyn.

Bis 1944 konnte man die Brücke per Hochbahn überqueren, wovon auch diese alte Stummfilmaufname zeugt. Der Filmpionier Thomas Edison hatte die Szene 1899 aufgenommen, indem er eine Kamera auf der Fahrt von Brooklyn nach Manhattan mitnahm.

Heute nimmt man ein Auto, springt aufs Rad oder läuft zu Fuß. Es gibt einen Holzweg, der einen Stockwerk über der sechsspurigen Verkehrsstraße verläuft. Wenn man sich für diese Route entscheidet, braucht man ungefähr 40 Minuten, um auf der anderen Seite anzukommen. Das liegt nicht nur an den vielen Touristen, die ein schnelleres Vorankommen erschweren. Die Brücke einfach sehr lang: Mit 1833 Metern galt sie bei ihrer Eröffnung im Jahr 1883 sogar als längste Hängebrücke der Welt.

Der Blick auf die Skyline von Manhattan durch die Stahlseile hindurch ist ziemlich einzigartig. Wohl auch deshalb nehmen täglich rund 4000 Fußgänger und 2600 Radfahrer den Spaziergang auf sich. An einem Wochenendtag wie gestern ist der Ansturm besonders hoch. Umso größer war die Aufregung, als um die Mittagszeit herum die Brücke für eine halbe Stunde gesperrt wurde. In berühmter New Yorker Nonchalance erklärten die Polizisten uns Fußgängern einfach nur, dass wir wieder zurückgehen sollen. Keine Auskunft darüber, wann die Brücke erneut passierbar wird. „Hören Sie das Geräusch? Das ist ein Hubschrauber. Solange der über der Brücke schwebt, bleibt sie zu“, sagte der Beamte.

Wie sich herausstellte, hatte ein 24-Jähriger die Tragkabel bestiegen und war bis zu einen der Türme emporgewandert, um Fotos zu machen. Normalerweise hätte es für solch eine Aktion nicht gleich einen Helikoptereinsatz geben müssen. Doch die Männer vom NYPD reagieren gerade sehr vorsichtig darauf, wenn es um die Brooklyn Bridge geht – wurden sie doch vor kurzem richtig vorgeführt. Am Morgen des 22. Juli 2014 hingen plötzlich statt der US-Flaggen zwei weiße Fahnen auf den Türmen der Brücke. Aufnahmen der Überwachungskamera zeigten, dass in der Nacht gegen drei Uhr mehrere Personen die Kabel erklommen hatten.

Über zwei Wochen lang wurde nach den Männern gefahndet. Waren es Terroristen? Sollten die Fahnen als politisches Statement dienen? Und warum hatte die Polizei die Gruppe nicht sofort festgenommen? Dann meldeten sich zwei Berliner bei der NY Times. Die Künstler Mischa Leinkauf und Matthias Wermke behaupteten, die Fahnen ausgetauscht zu haben und lieferten auch gleich Beweisfotos. Sie wollten mit der Aktion „die Schönheit des öffentlichen Raums“ feiern. Außerdem sahen sie den Flaggentausch als Hommage an einen Deutschen an: Der 22. Juli ist nämlich der Todestag von John Roebling, dem Planer der Brooklyn Bridge. Roebling, der zuvor schon die Hängebrücke über die Niagarafälle errichtet hatte, sollte eigentlich auch den Bau der Brücke in New York leiten. Allerdings klemmte eine Fähre bei einem Baustellenbesuch Roeblings Fuß ein. Der Mann starb zwei Wochen später an einer Tetanusinfektion. Sein Sohn Washington brachte den Bau zu Ende.

Ob die Künstler für ihre Aktion bestraft werden, steht noch nicht fest. Eine gelungene PR-Kampagne war sie auf jeden Fall. Und eine Blamage für die New Yorker Polizei.

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