Der neue Trayvon Martin?

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Zurück in New Orleans bin ich direkt in eine große Demonstration geraten. Eigentlich wollte ich nur noch schnell ins French Quarter fahren, um ein letztes Mal die kreolische Küche zu genießen. Als ich aus meinem Mietwagen stieg, kamen mir allerdings schon die ersten Menschen mit Plakaten entgegen. Die Schlange wurde immer länger: Zum Schluss waren es mehr als 500 Bürger, die lauthals gegen Polizeiwillkür demonstrierten.

Sie gedachten damit dem 18-jährigen Michael Brown, der am Samstagabend in Ferguson, einem Vorort von St. Louis in Missouri, von einem Polizisten erschossen worden war. Nach Angaben der Polizei hatte der Beamte aus Notwehr gehandelt, weil Brown dessen Waffe an sich reißen wollte. Ein Augenzeuge berichtete wiederum, Brown sei geflohen, der Polizist hätte ihn mit gezückter Waffe zum Stehen genötigt und ihn niedergestreckt, als dieser sich umdrehte. Michael Brown war Afroamerikaner – und unbewaffnet.

Der tragische Vorfall hat in Missouri zu tagelangen Ausschreitungen geführt. Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit Polizisten, Tränengas und Gummigeschosse kamen zum Einsatz. Die Unruhe schwappt auf weitere Städte über, besonders diejenigen, die wie St. Louis stark segregated sind. Angefeuert wird sie vom Gefühl, dass die Polizei sehr ungleich gegen schwarze und weiße Bürger vorgeht. In Ferguson sind zwei Drittel der Bewohner Afroamerikaner, dafür aber nur drei von 53 Polizeibeamten schwarz. Wie die Washington Post aufdeckte, gehörte Rassismus zum Alltag der Beamten – die zum Beispiel mehr als doppelt so oft schwarze Autofahrer verhafteten als Weiße. Die Tatsache, dass die Polizei von St. Louis den Namen des Schützen geheim hält, lässt bei vielen US-Amerikanern Unbehagen entstehen.

Wenn man die Menschenansammlungen wie auf den Straßen von New Orleans sieht, fühlt man sich an die Tage nach dem Tod von Trayvon Martin erinnert. Der 17-Jährige war 2012 in Sanford, Florida von dem Latino George Zimmerman erschossen worden. Dieser fühte sich von dem schwarzen Jungen bedroht, der plötzlich in der gated community herumlief. Martin war allerdings nur bei der Verlobten seines Vaters zu Besuch, die in der gated community lebte. Er hatte keine Waffe bei sich. Nach einmonatiger Verhandlung wurde Zimmerman freigesprochen – weil er das Recht hätte, sich auf seinem Grundstück zu verteidigen. Das „Stand Your Ground“-Gesetz ist bis heute umstritten. Viele Bürger sahen die Jury-Entscheidung aber auch als rassistisch motiviert an: Hätte ein Schwarzer einen Weißen umgebracht, wäre das Urteil anders ausgefallen, lautet deren Credo.

In New Orleans verlangten die Demonstranten vor allen Dingen eines: Gerechtigkeit. Präsident Obama hat sich nun auch zu Wort gemeldet und verkündet, es müsse wieder Frieden einkehren. Davon kann aber erst die Rede sein, wenn die Menschen das Gefühl bekommen, dass der Fall ordentlich verfolgt wird. Bis dahin werden die Proteste wohl weiter andauern: in Ferguson, in New Orleans und im Rest des Landes.

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