Im Staat der Kirchen und Musik

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Die letzten zwei Tage war ich in Mississippi unterwegs. Mitten im Bible Belt – was man schon daran bemerken konnte, dass selbst in direkter Strandnähe Kirchen stehen. Wer also das Verlangen haben sollte, nach einer Runde Baden sich spirituell zu laben, hat hier durchaus die Möglichkeit. Laut einer Umfrage des Gallup-Instituts ist Mississippi der religiöseste Staat. 61 Prozent der Bewohner bezeichnen sich als sehr gläubig. Gleichzeitig rangiert der Staat auf Platz eins bei den Arbeitslosenzahlen: 7,9 Prozent der Bürger hier hatten im Juni 2014 keinen Job. Das liegt auch daran, dass die meisten der Menschen hier von der Landwirtschaft oder der Fischerei leben.

Als ich von Louisiana kommend in den „Magnolia State“ einfuhr, fiel mir auf dem Highway ein großes Schild auf. Darauf wurde Mississippi als „Birthplace of America’s Music“ bezeichnet. Dies ist der Slogan der Mississippi Musicians Hall of Fame und soll darauf verweisen, dass viele namhafte Sänger aus dem südlichen US-Staat kommen. Allen voran wäre Elvis zu nennen, der in Tupelo, MS, geboren wurde. Weitere bekannte Söhne und Töchter Mississippis sind Ike Turner, B.B. King oder in jüngeren Jahren Faith Hill und LeAnn Rhimes.

Es gibt aber noch ein drittes Thema neben Religion und Musik, mit dem Mississippi in Verbindung gebracht wird: der US-amerikanische Bürgerkrieg. Das liegt vor allem daran, dass Jefferson Davis hier geboren wurde – der erste und einzige Präsident der Südstaaten-Konföderation.

Dessen Museum steht in Biloxi, einem kleinen Küstenörtchen am Golf von Mexiko. Das Anwesen trägt den wohlklingenden Namen Beauvoir – und tatsächlich hat man einen schönen Blick vom Haus aus auf das Meer. Diese Aussicht war es wohl auch, die den betagten Jefferson Davis dazu bewog, nach dem Bürgerkrieg seine Memoiren hier zu verfassen. Beauvoir gehörte damals einer Jugendfreundin seiner Frau, die dem Ehepaar nach ihrem Tod das Anwesen vermachte. So verbrachte Davis seine letzten Lebensjahre hier – und hinterließ der Nachwelt das üppige Werk „The Rise and Fall of the Confederate Government„. In dem Zweibänder versuchte er, die Position der Südstaaten – etwa zur Sklaverei – zu rechtfertigen.

Davis war Offizier im mittleren Westen der USA, kämpfte später im Krieg gegen Mexiko von 1846 bis 1848. Nachdem er seinen Dienst quittierte, erhielt er einen Sitz im US-Senat für die Demokraten. Eigentlich gehörte er zu den gemäßigten Mitgliedern seiner Partei, doch als Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, schloss er sich der Mehrheit der Südstaatler an und sprach sich für einen Austritt Mississippis aus. Er wurde für sechs Jahre zum Präsidenten der Konföderation gewählt – und konnte seine Amtszeit nie zu Ende führen. Kurz vor Ende des Civil Wars wollte er ins Ausland fliehen, um eine Exilregierung zu gründen und wurde von Unionstruppen festgenommen. Ein Verfahren wegen Landesverrats wurde eingeleitet, aber nie abgeschlossen – zu groß war die Gefahr, dass der Supreme Court die Sezession für verfassungskonform erklären würde.

So durfte Davis als freier Mann nach Mississippi zurückkehren – allerdings auch als Mensch ohne Vaterland. Er war nämlich der einzige US-Bürger, dem man als Konsequenz aus dem Civil War die Staatsangehörigkeit abgenommen hatte. Erst 1978, fast 100 Jahre nach seinem Tod, wurde Davis postum wieder zum US-Amerikaner erklärt.

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