Im Haus der Voodoo Queen

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Die Schlange, die sich auf dem Foto um meine Hände windet, gehört einem Voodoo Doctor. So werden männliche Priester in New Orleans genannt. Der derzeitige Dr. John T. Martin hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Kult in seiner Heimatstadt am Leben zu halten. Deswegen lädt er nicht nur zu abendlichen Séancen ein, sondern sitzt auch tagsüber am Eingang des Voodoo-Museums.

Hier in NOLA hat der Louisiana Voodoo seine Blütezeit erfahren – dank Marie Laveau, die man auf dem Gemälde im Hintergrund sieht. Ihr Großvater hatte als Bürgermeister die Geschicke von New Orleans bestimmt und auch sie sollte eine der einflussreichsten Personen der Stadt werden. Laveau lebte als Free Woman of Color im French Quarter und erlangte Berühmtheit in den 1850er Jahren. Damals grassierte eine Gelbfieber-Epidemie in der Stadt. Wer sich ansteckte, für den gab es nur eine Hoffnung: Er musste die Heilerin Laveau aufsuchen. Deren Kräuter und magische Rituale galten als letzte Rettung vor dem Tod. Jeder wusste, dass sie eine Voodoo-Meisterin war.

Laveau selbst bezeichnete sich sogar als Voodoo Queen. Diesen Titel durften nur die größten Priesterinnen in Louisiana tragen. Und Marie Laveau war die beste Magierin ihrer Zeit. Präsident Jackson, Queen Viktoria oder die chinesische Kaiserin – sie alle sollen ihren Rat gesucht haben. Die meisten gingen mit einem Gris-Gris nach Hause: einem roten Säckchen mit Pulvern und Kräutern, das Wunder bewirken sollte.

Der Voodoo (ein Wort aus der Fon-Sprache, das übersetzt „Geist“ bedeutet) stammt ursprünglich aus Westafrika und wurde durch die Sklaven nach Haiti gebracht. Von dort aus breitete er sich unter den Sklavengemeinden Süd- und Nordamerikas aus. Heute denkt man vor allem an Puppen mit Nadeln im Kopf oder an Zombies. Doch der Voodoo als Religion sollte vor allem Segen bringen. Es ist interessant, dass sich der Kult so gut im katholischen New Orleans verbreitete. Das liegt daran, dass der Louisiana Voodoo viele christliche Riten übernahm. Heiligenfiguren wurden aufgestellt, Ikonenmalereien verwendet. Allerdings trugen diese plötzlich afrikanische Namen und hatten andere Bedeutungen.

Ein besonders schönes Beispiel ist im Voodoo Museum zu sehen. Da hängt mitten zwischen afrikanischen Masken ein Marienbild. Es ist die Madonna aus Czestochowa, die Patronin aller Polen. Im Voodoo wird sie allerdings „Erzulie D’en Tort“ genannt. Polnische Soldaten, die den Haitianern währen deren Revolution (1791-1804) geholfen hatten, brachten eine Kopie des Gemäldes auf die Insel. Hier erhielt das Bild einen Ehrenplatz – weil die Bevölkerung in der schwarzen Madonna eine afrikanische Frau erkannte. Heutzutage wird sie im Voodoo angebetet als Schutzgeist aller Mütter.

Zurück zu  Marie Laveau: Deren letzte Ruhestätte ist in New Orleans auf dem ältesten Friedhof zu finden, dem St. Louis Cemetary. Weil die Stadt sich unterhalb des Meeresspiegels befindet, gibt es hier keine normalen Gräber, sondern Mausoleen. Laveaus Grabmal ist über und über mit roten X-en oder Kreisen versehen. Davor liegen Geld- und Essensgaben. Viele Pilger hoffen, so Gefallen bei der Voodoo Queen zu finden – damit sie ihnen aus dem Totenreich heraus ihren Segen spendet.

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