Hollywood South

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Als ich vor zwei Tagen Richtung Jazzmeile von New Orleans lief und in eine kleine Seitenstraße abbog, wollte ich meinen Augen nicht trauen. Die Fahrbahn war mit glitzerndem Konfetti bedeckt. Auf dem Bürgersteig liefen Menschen in Harlekinkostümen oder mit Maske und Perücke herum, während eine Straße weiter Paradewagen standen, wie man sie vom Karneval her kennt. Was wie ein verspäteter Mardi Gras aussah, war in Wahrheit… ein Filmset.

Davon zeugten nicht nur die vielen Kameras, die auf großen Kränen aufgestellt worden waren, sondern auch ein wild fuchtelnder Mann mit Megafon, der die Leute zur Ordnung rief. Ich war also unwissentlich mitten auf eine Filmkulisse gelaufen. Wie mir ein Polizist erklärte, der die Straße für den Verkehr abgesperrt hielt, handelte es sich um einen TV-Spot für Toyota. Zumindest war das die offizielle Version. New Orleans wird nämlich nicht nur als Drehort für Werbefilme genutzt. Seit einigen Jahren kommen bekannte Kinoregisseure hierher, weswegen die Stadt auch den neuen Beinamen „Hollywood South“ erhalten hat.

2014 werden gleich mehrere Blockbuster in NOLA gedreht: „Jurassic World“ ist bereits im Kasten, „Terminator 5“ und „Fantastic Four 3“ sollen hier noch entstehen.  Und auch in den letzten Jahren gab es immer wieder Filme, die vorwiegend in „Hollywood South“ spielten: der neue „Bad Lieutenant“ mit Nicolas Cage etwa, die Komödie „21 Jump Street“ oder auch der Oscar-Gewinner „12 Years A Slave“. Laut einer Studie des Film Office LA  war 2013 zudem das erste Jahr, in dem in Louisiana mehr Filme gedreht worden waren (18 Stück) als in Kalifornien (15 Stück).

Der Grund für den wachsenden Hype: Steuererleichterungen. Louisiana hat ein Gesetz verabschiedet, wonach Filmproduzenten 30 Prozent weniger Steuern zahlen müssen, wenn sie einen gewissen Anteil des Spielfilms im Pelican State drehen. Weitere fünf Prozent werden erlassen, wenn eine bestimmte Anzahl Einheimischer beschäftigt wird. Der Staat erhofft sich dadurch neue Arbeitsplätze und wachsende Besuchermassen. Schließlich möchte doch jeder Kinofan den Ort sehen, an dem die Dinosaurier wüteten.

Das Filmen in New Orleans hat zudem den netten Beigeschmack, dass Hollywood-Stars Gefallen an der Stadt finden und sich hier Häuser kaufen. Berühmt geworden ist das Video von Brad Pitt und Matthew McConaughey, die jeweils vom eigenen Balkon in NOLA aus miteinander reden.

Nicolas Cage hat sogar schon für die nächsten Jahrhunderte vorgesorgt. Auf dem Friedhof Saint Louis Nummer eins steht ein Mausoleum in Pyramidenform, das der Hollywood-Star für sich hat bauen lassen. Damit seine letzte Ruhestätte New Orleans bleibt.

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