Gator Time

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Louisiana wird auch der Pelican State genannt. Der Vogel ist hier ziemlich prominent vertreten: auf dem offiziellen Staatswappen etwa, das vor öffentlichen Gebäuden weht, oder als Teamname der Basketballmannschaft aus New Orleans. Und dennoch gibt es ein anderes Tier, über das man als Tourist in Louisiana weitaus öfter spricht: den Alligator.

Weil es häufig verwechselt wird, sei ein kurzer Neunmalklug-Einschub gestattet. Alligatoren gehören zur Krokodilfamilie, weisen aber dennoch einige Unterschiede zu den echten Krokodilen auf. Die Schnauze ist breiter und runder. Daher verschwindet der Unterkiefer komplett im Oberkiefer, sodass bei geschlossenem Maul nur die obere Zahnreihe zu sehen ist. Bei Krokodilen sind hingegen auch Zähne des Unterkiefers sichtbar. Das wichtigste allerdings: Wenn man in den USA herumreist, kann man ausschließlich auf Alligatoren treffen. Diese leben nur in Süßwassern, vorwiegend in Sumpfgebieten.  Krokodile haben Drüsen, um auch im Salzwasser zu überleben.

Die Gator Tour gehört zu einem guten New-Orleans-Besuch wie etwa das Whale Watching zum Cape Cod. Es gibt zahlreiche Anbieter von Swamp-Reisen – und jeder verspricht „das Abenteuer deines Lebens“. Die Fahrten kosten um die 50 $ inklusive Anreise per Shuttlebus. Eigentlich viel Geld, aber es lohnt sich wirklich.

Ich selbst hatte mich für die Cajun Encounters Tours entschieden, die zum Honey Island Swamp führt. Das Sumpfgebiet im Norden von New Orleans zählt zu den am wenigsten veränderten Naturlandschaften Louisianas und ist ein Sammelbecken für Alligatoren. Während der Busfahrt kam meine Reisegruppe an East New Orleans vorbei – jenem Gebiet, dass am stärksten von Hurricane Katrina betroffen war. Noch heute fährt man hier an verlassenen Firmengebäuden und Lagerhallen entlang. Wie unser Fahrer Robert, ein Katrina-Überlebender sagte, „sind sie ein Zeichen der Hoffnung, dass New Orleans irgendwann wieder ein blühender Industriestandort wird.“

Aber zurück zu den Gators. Am Honey Island Swamp angekommen, bestieg man nach kurzer Zeit das Reiseboot. Die Rundfahrt dauerte zwei Stunden, da sollte man ja hoffen, mindestens einen Gator zu erblicken. Es wurden mehr als 20 Stück. Aktuell leben in Louisiana laut dem Department of Wildlife and Fisheries fast zwei Millionen freilebende Gators. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass sie in den 1970er Jahren auf die Liste der bedrohten Tierarten gesetzt wurden. Heute dürfen sie wieder geschossen werden. Ihr Fleisch gilt als Delikatesse, ihre Haut wird für teure Taschen genutzt, während ihre Köpfe als makabre Souvenirs auf Verkaufsständen ausliegen.

Wer „True Blood“ gesehen hat, weiß, dass man Alligatoren mit Marshmallows anlockt. Sobald ein weißer Klumpen im Wasser schwimmt, kommen die Tiere aus ihren Verstecken. Danach muss man nur noch ein Würstchen auf einen Stock spießen. Fertig ist die Touristenattraktion: ein springender Gator. Und natürlich haben wir alle Fotos geschossen. Fragt sich nur, wer mehr konditioniert wurde – die Gators oder wir Touristen. Immerhin: Die Tiere hatten zum Schluss zumindest einen vollen Magen.

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