Ein Tag im French Quarter

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„America has only three cities: New York, San Francisco and New Orleans. Everywhere else is Cleveland.“

Das obere Zitat stammt vom großen US-amerikanischen Dramatiker Tennessee Williams und wird hier in New Orleans als T-Shirt-Aufdruck verkauft. Natürlich mit einer besonderen Farbgebung für die dritte Stadt im Bunde. Williams liebster Ort in NOLA war das French Quarter. Das älteste Viertel von New Orleans sprüht auch heute noch vor Lebensenergie, egal ob man tagsüber einen Spaziergang macht oder nachts feiern geht. Williams nannte das Viertel „the last frontier of Bohemia“ – wo Gesetze und Normen außer Kraft gesetzt wurden und jeder sich selbst ausdrücken konnte.

Der Bühnenautor lebte hier einige Zeit, unweit der Desire Street. Sein pulitzerpreisgekröntes Werk „A Streetcar Named Desire“ ist der Straßenbahn gewidmet, die am French Quarter entlangfuhr. Eine Vielzahl der Straßenbahnen New Orleans stellte im Laufe der Zeit ihren Dienst ein. 2004 führte man allerdings den Canal Street Trolley wieder ein – diesmal als Touristenattraktion. Auch ich muss die charakteristische rote Bahn nehmen, um von meinem Hostel ins French Quarter zu gelangen.

Wie der Name verrät, hat das Viertel französischen Ursprung. Als New Orleans 1718 gegründet wurde, entstand die erste Siedlung genau hier im „Vieux Carré“. Sein Aussehen hat das Viertel allerdings den Spaniern zu verdanken. Als diese Louisiana 1762 eroberten, veränderten sie die Architektur der Stadt. Direkt auf dem Vorplatz der Kathedrale St. Louis entstand das erste Haus mit gusseisernem Balkon. Heute sind diese Balkone überall im French Quarter zu bewundern – die schönsten von ihnen auf der Royal Street im Zentrum des Viertels.

Wie zu Williams Zeiten ist der „Vieux Carré“ Anlaufplatz für viele Künstler. Am Park vor der Kathedrale stellen sie ihre Gemälde aus, während Jazzgruppen auf offener Straße spontane Konzerte geben. Es gibt unzählige Galerien und auf dem berühmten Flohmarkt werden lokale Schnitzereien und Bilder verkauft. Was allerdings auch boomt, sind die Tarot-Läden. New Orleans ist ja als Stadt des Voodoo bekannt, da gehört das Lesen der Zukunft mithilfe von Hand-Lebenslinien oder Tarot-Karten zum Alltag.

Abends verwandelt sich das French Quarter zur Partymeile. Vor allem die Bourbon Street ist berühmt für ihre Kneipen, Diskos – aber auch die vielen Strip-Lokale. Ihr Name hat dabei nichts mit dem Whiskey zu tun, sondern erinnert an die französische Adelsfamilie Bourbon. Als Louisiana 1803 an die USA verkauft wurde (Napoleon hatte kurz zuvor das Gebiet von den Spaniern zurückgefordert und ihn dann für die lächerliche Summe von 15 Millionen Dollar versteigert), wurde die Rue Bourbon zur Bourbon Street umgetauft.

Es gibt zahlreiche Restaurants, die einen Besuch wert sind. Nicht umsonst wird  New Orleans für seine kreolische Küche und die Cajun-Speisen gelobt. Zu den beliebtesten Cocktails gehören Bloody Mary und eine Spezialität der Stadt: der Hurricane. Dieser besteht vorwiegend aus Rum und Fruchtsirup. Wenn man möchte, kann man ihn auch to-go bestellen. Louisiana ist nämlich einer der wenigen US-Staaten, in dem Trinken auf offener Straße erlaubt ist. Allerdings nur aus Plastikbechern.

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Ein Gedanke zu “Ein Tag im French Quarter

  1. Pingback: Der Klang von New Orleans | US-Logbuch

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