Afrikas „Führer von morgen“

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Sie kommen aus Kenia, Ruanda, Lesotho und weiteren afrikanischen Ländern. Einige von ihnen haben Kriege übererlebt, wurden bedroht, mussten sich verstecken. Andere führten bisher ein sicheres Leben, waren an Elite-Schulen und haben Unternehmen gegründet. Nun sind sie alle in Washington: als Stipendiaten des Nelson Mandela Fellowships.

Das Programm ist Teil der sogenannten „Young African Leaders Initiative“, die 2010 von Präsident Obama ins Leben gerufen wurde. Es war sein Versuch, junge Menschen aus Afrika miteinander zu vernetzen, sie beim Aufbau sozialer Projekte oder neuer Firmen zu unterstützen. Und dadurch die „Führer von morgen“ auszubilden. Bisheriger Höhepunkt ist das Stipendium, das 2014 ausgeschrieben wurde.

500 Plätze waren zu vergeben. Es bewarben sich knapp 50.000 Männer und Frauen. Monatelang mussten sie sich den Aufnahmeprüfungen stellen. Manche reisten hunderte von Kilometern in die nächste Metropole, wo die Auswahlgespräche stattfanden. Wer genommen wurde, durfte für sechs Wochen in den Staaten studieren – und zum Schluss nach Washington zum Treffen mit Obama anreisen.

Als sie ihre Zusage erhalten hat, sei sie in Jubel ausgebrochen, erzählt mir Passy Mubalama. Die 29-Jährige arbeitet als Journalistin in der Demokratischen Republik Kongo und hat eine Hilfsorganisation für vergewaltigte Frauen aufgebaut. Freunde von ihr wurden ins Gefängnis gesteckt, weil sie kritische Artikel verfasst hatten. Auch Passy erhielt Drohmails. Das alles scheint sehr weit weg, als sie im Garten des Omni Shoreham Hotels in Washington mit mir spricht. Ein Springbrunnen rauscht im Hintergrund, im Inneren des Gebäudes hängen Kronleuchter von den Wänden. Passy redet über das Leben in Afrika. Wie sie nicht einfach mehr zuschauen konnte, was im kriegsgeplagten Ost-Kongo passiert. Wie sie versucht hat, Gelder für die NGO zu finden. Es ist die Geschichte einer jungen Kämpferin, die auf ein besseres Leben in ihrem Land hofft.

Genau das eint die Mandela-Stipendiaten: Sie wollen Veränderungen schaffen. Cyrus aus Uganda war Fotograf für Lifestyle-Magazine, jetzt dreht er in den Slums seines Landes mit Jugendlichen aus armen Familien, die ihre Geschichte per Video erzählen wollen. Araba aus Ghana hat als beste ihres Jahrgangs das Informatikstudium an der renommierten Ashesi Universität abgeschlossen, eine Karriere in der Software-Branche war ihr sicher. Sie entschied sich, bei der Non-Profit Organization „Village of Hope“ einzusteigen. Stories wie diese zeigen, dass Afrika im Wandel ist.

Die einzige Frage, die sich stellt: Wie wird die derzeitige Elite auf die „jungen Führer von morgen“ reagieren? Nächste Woche findet in DC das große US-Afrika-Gipfeltreffen statt mit mehr als 50 Regierungschefs und Präsidenten. Viele der Mandela-Stipendiaten wollten daran teilnehmen. Sie hofften, das erste Mal in ihrem Leben mit richtigen Entscheidern sprechen zu können. Nur eine kleine Delegation wurde zum Gipfel zugelassen. Ob sie überhaupt mit den afrikanischen Präsidenten reden können, steht noch nicht fest.

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Ein Gedanke zu “Afrikas „Führer von morgen“

  1. Pingback: Time to say goodbye | US-Logbuch

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