Tausche Zettel gegen Laptop

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Auf dem Rückflug von Chicago nach Washington habe ich meinen Laptop in den Reisekoffer gesteckt. Eigentlich mache ich das nicht. Von klein auf wurde mir eingebläut, Wertsachen immer bei sich zu tragen. Es war das erste Mal, dass ich von dieser Regel abwich. Was sollte bei einem Inlandsflug von einer Stunde schon passieren? Die Antwort gab es zu Hause.

Als ich den Koffer öffnete und meine Laptoptasche herausnahm, merkte ich bereits am Gewicht, dass was nicht stimmte. Dem Verdacht folgte die Gewissheit: Mein Computer war weg. Dafür befand sich im Koffer ein Zettel von der TSA. Die Transportation Security Agency ist eine Bundesbehörde, die für die Sicherheit auf Highways, Bahnen und Flugzeugen zuständig ist. Sie wurde nach dem Anschlag von 9/11 gegründet und dient somit primär der Terrorismusbekämpfung. Eine ihrer vielen Kompetenzen ist es, Passagierkoffer zu Inspektionszwecken zu öffnen. Der Besitzer muss nicht einmal dabei sein. Normalerweise bekommt man von dieser Kontrolle nichts mit – bis auf den Zettel, der sich hinterher im Koffer befindet und den Beweis dafür liefert, dass Privatsphäre in den USA ein Fremdwort ist.

Mein erster Gedanke war also: Laptoptasche da, Laptop weg, dafür TSA-Notiz. Ergo hat ein Mitarbeiter das Gerät zur Inspektion rausgeholt, aber nicht mehr reingetan. Ein Anruf bei TSA brachte erstmal nichts: Das zuständige Office war am Wochenende geschlossen. Also musste ich mich bis Montagmorgen gedulden. Dann erhielt ich die Antwort, dass der Laptop nicht in den „Lost-and-Found“-Bereich abgegeben worden war. Und das sei ein Zeichen dafür, dass das Gerät geklaut wurde. Natürlich nicht von den TSA-Mitarbeitern, wie mir versichert wurde, sondern von irgendeinem von der Airline.

Mittlerweile habe ich jeweils  Anzeige gegen die TSA und United Airlines erstattet. Die Antwort von TSA kam prompt: Sie hätten das Videomaterial ihrer Überwachungskameras angeschaut. Der Laptop wurde kontrolliert und wieder zurück in den Koffer getan. Die Chance, das Gerät zurückzuerhalten, sei gering. United Airlines wiederum hat mich darüber informiert, dass Diebstähle wohl auch vorkommen, dass sie aber keine Rückerstattung für elektronische Geräte übernehmen. Aber sie würden natürlich eine Untersuchung starten. In sechs bis zehn Wochen würde ich von ihnen hören.

Nach unzähligen Telefonaten, wütenden Mails und ausgefüllten claims bin ich immer noch nicht weiter, was den Verbleib meines Laptops anbelangt. Einen Großteil der Daten hatte ich glücklicherweise im Vorfeld der Reise gesichert. Was wohl für immer verloren gegangen ist, sind Fotos. Per Rescue-Programm „Recusa“ konnte ich immerhin einige gelöschte Daten auf meiner SD-Karte wiederherstellen. Alles weitere wird wohl nicht mehr zu retten sein.

Gestern hat meine US-Kollegin Sarah unabhängig von dieser ganzen Geschichte ein Zitat von Ralph Waldo Emerson auf Facebook gepostet. Bad times have a scientific value. These are occasions a good learner would not miss. Bedeutet für mich: In Zukunft werde ich Wertsachen wieder bei mir tragen. Es ist eine teuer erkaufte Erkenntnis.

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Ein Gedanke zu “Tausche Zettel gegen Laptop

  1. Pingback: Die Reise-Oma | US-Logbuch

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