Kinonächte auf der Mall

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Mit dem Sommer bricht die Blockbuster Season an. Jedes Jahr aufs Neue versucht Hollywood, gegen die warmen Temperaturen anzukämpfen, indem es seine Action-Kracher in die Kinos bringt. Keine Handlung zum Nachdenken, viele Explosionen, bekannte Schauspieler – so die Formel, mit der das Publikum angelockt werden soll. Die Preisverleihungen sind ja eh noch viel zu weit weg, als dass man seine aussichtsreichsten Filme jetzt schon präsentiert. Besser auf Sequels und Remakes setzen.

2014 sind das etwa „Godzilla“, „Dawn of the Planets of the Apes“, „22 Jump Street“. Alles Filme, um die ich einen großen Bogen mache (und nicht nur ich – laut Branchenmagazin „Variety“ sind die Ticket-Einnahmen 2014 um mehr als sechs Prozent zurückgegangen im Vergleich zum Vorjahr).

Natürlich findet man auch in DC die kleinen Programmkinos, die europäische Autorenfilme oder Inpedendent-Werke aus den USA zeigen. Wenn man lange genug sucht, kann man also auch als Film-Snob auf seine Kosten kommen. Letzte Woche etwa kam „Boyhood“ in die Kinos – Richard Linklaters Film-Experiment, in dem ein Junge langsam zum Mann heranwächst. Klingt nicht besonders spannend. Doch das besondere daran ist, dass Linklater den Film über zwölf Jahre gedreht hat – mit den gleichen Schauspielern. Und so kann man zum ersten Mal in der Geschichte des Kinos wirklich mitverfolgen, wie ein Mensch älter wird. Absolut empfehlenswert.

Mit seinen drei Stunden ist „Boyhood“ für viele Besucher allerdings zu lang. Auch meine Mitbewohner schreckt es ab, so lange Zeit im Kinosaal zu verbringen – vor allem im Sommer. Da müsse man lieber draußen sein. Glücklicherweise gibt es selbst dafür eine Lösung: die Open-Air-Nächte. Washington bietet an fast jedem Tag Freiluft-Kino an, immer an einem anderen Ort. Seit gestern läuft die Aktion „Screen on the Green“. Dabei werden Klassiker direkt auf der Mall gezeigt. Als Einstieg lief „Karate Kid“ aus dem Jahr 1984.

Eine Besonderheit von „Screen on the Green“ ist der Tanz zu Beginn des Films. Die Veranstaltung wird vom Privatsender HBO gesponsert, weswegen auch am Anfang ein Trailer läuft. Sobald die Musik zu hören ist, stehen alle Leute auf und fangen wie wild an, mit den Armen herumzuschwenken. Die Über-Engagierten springen dazu noch auf und ab – wie man auf dem Video vom letzten Jahr unschwer erkennen kann. Zum Schluss bricht lauter Jubel aus. Schöner und ungewöhnlicher kann man einen Filmabend wohl nicht beginnen.

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Ein Gedanke zu “Kinonächte auf der Mall

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