Der Kampf für die Kinder aus den Todeszügen

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Sie stehen vor dem Weißen Haus mit Schildern und Bannern in den Händen. 50 Menschen von „Amnesty International“, vorwiegend Kinder und junge Erwachsene, einige von ihnen mit Megafonen um den Hals. „Was wollen wir?“, schreit eine Demonstrantin und die Gruppe antwortet im Chor: „Die Kinder schützen.“ Protect the children, das steht auch auf den Plakaten, die die Aktivisten in die Höhe halten. Oder Ni una másKein weiteres mehr. Gemeint sind die Abschiebungen von illegal eingewanderten jungen Menschen aus Südamerika.

Während die Welt gebannt auf die vermeintlich abgeschossene Maschine in der Ukraine schaut, auf die Bodenoffensiven im Gazastreifen, auf das Vordringen der ISIS im Irak, hat die USA ein innenpolitisches Problem, das immer höhere Wellen schlägt. Seit Anfang des Jahres sind rund 57000 Mädchen und Jungen aus Lateinamerika ins Land gekommen. Die meisten von ihnen stammen aus Guatemala, Honduras oder El Salvador. Sie legen weite Strecken auf den Dächern von Transportzügen zurück, den sogenannten „Beasts“ oder „Death Trains“, um endlich in Sicherheit zu leben.

Die „Washington Post“ hat unlängst einen bewegenden Artikel veröffentlicht über diese Kinder und warum sie fliehen. Es ist nicht einfach nur die Armut. Viele von ihnen werden in der Heimat bedroht: Das Mädchen, das einem Gang-Anführer ins Auge fiel und Angst hatte, vergewaltigt zu werden. Der Grundschuljunge, dessen Bruder Streit mit dem Drogenkartell hatte, weswegen auch er auf der Abschussliste stand. Sie alle nehmen die bedrohliche Fahrt auf den „Beasts“ auf sich, weil sie die Hoffnung haben, dadurch zu überleben. Und weil sie glauben, dass sie hier bleiben können, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

In den Vereinigten Staaten gibt es nämlich seit 2008 ein Gesetz, dass Kindern aus den drei oben genannten Ländern besonderen Schutz gewährt. Sie dürfen nicht einfach abgeschoben werden. Doch die wachsende Zahl an jungen Flüchtlingen empört viele US-Amerikaner. Vor allem, weil die Kinder nicht mehr einfach in Texas unterkommen, sondern auf Flüchtlingshäuser quer übers Land verteilt werden. Dagegen regt sich Widerstand: Demos in Arizona und New Mexico, vollmundige republikanische Gouverneure – etwa in Nebraska – , die keine Kinder in ihrem Staat aufnehmen wollen. Schließlich koste deren Versorgung pro Tag und pro Kind rund 200 Dollar.

Laut neuester Umfrage des Pew Research Centers sind 53 Prozent der US-Amerikaner dafür, das Prüfungsverfahren für die jungen Südamerikaner zu beschleunigen – selbst wenn dadurch die Gefahr steigt, dass mehr Kinder abgeschoben werden, die eigentlich Anrecht auf Asyl hätten. Nur 39 Prozent der Bürger sind mit dem aktuellen Verfahren zufrieden. Präsident Obama hat angekündigt, die Maßnahmen zu überprüfen. Nur so hofft er, die Republikaner im Senat zu überzeugen, mehr Geld für die Migranten auszugeben.

Es ist ein Thema, das an Fahrt aufnehmen wird – schließlich sind im Herbst Kongresswahlen. Bis dahin werden noch weitere Demonstrationen wie die gestrige vor dem Weißen Haus stattfinden. Das hat Amnesty International bereits angekündigt.

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