Eine Flagge schreibt Geschichte

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Im September 2014 begehen die US-Amerikaner ein besonderes Jubiläum: Genau 200 Jahre zuvor entstand ihre Nationalhymne. Der „Star-Spangled banner“ wurde zwar erst Anfang der 1930er Jahre als offizielles Lieder der Vereinigten Staaten anerkannt, doch der Text geht auf den Washingtoner Anwalt Francis Scott Key zurück. Er verfasste ihn am 14. September 1814 – mitten im Krieg zwischen den USA und Großbritannien.

Anders als viele vermuten, bezieht sich die Hymne also gar nicht auf den Unabhängigkeitskrieg, sondern auf die erste militärische Auseinandersetzung zwischen den nun freien Vereinigten Staaten von Amerika und ihrem ehemaligen Mutterland. Der „War of 1812“ war insofern wichtig, weil er das Einheitsgefühl der jungen Nation stärkte. Diese fühlte sich immer wieder von den Briten gedemütigt – etwa dadurch, dass Großbritannien den USA jedweden Handel mit Frankreich untersagt hatte (in Europa herrschte der napoleonische Krieg) oder Indianerstämme bei ihren Kämpfen gegen die Amerikaner mit Waffenlieferungen unterstützte.

Der damalige US-Präsident James Madison erklärte schließlich 1812 Großbritannien den Krieg. Es wurde ein fast dreijähriger Kampf, in dessen Verlauf die Briten unter anderem das Weiße Haus in Brand setzten und auch die Hafenstadt Baltimore einnehmen wollten. Doch die US-Amerikaner hielten dem Angriff am nahegelegenen Fort McHenry stand – eine Schlacht, die fast 24 Stunden lang andauerte. Als der Hobbydichter Francis Scott Key am 14. September 1814 den Patapsco River entlangfuhr, sah er die gehisste Flagge über dem Fort. Der Anblick dieses Symbols des Widerstandes inspirierte ihn zu einem vierstrophigen Gedicht, das wenig später als „Defence of Fort McHenry“ gedruckt wurde.

Die Flagge ist heute in Washington ausgestellt – im Smithsonian National Museum of American History. Die meisten, die den abgedunkelten Raum betreten, werden sich über die schiere Größe der Fahne wundern: der Stoff ist 10 Meter lang und über 9 Meter breit. Also größer als die Zimmer, in denen meine Mitbewohner oder ich selbst hier in DC wohnen. Die Flagge enthält 15 Streifen und 14 Sterne (ursprünglich war es ein Stern mehr, aber die Fahne diente in der Zeit nach dem Krieg als Ausstellungsstück, von dem man sich Teile als Souvenir abschneiden konnte). An einer Seite des Raumes sind Bänke aufgestellt, in denen man sich niederlassen kann. Aus Lautsprechern ertönt die Nationalhymne, vorgetragen von Chören oder einzelnen Sängern.

Ironischerweise stammt die Melodie selbst aus Großbritannien. „To Anachrontic in Heaven“ ist ein britisches Trinklied, das im 19. Jahrhundert sehr populär war. Aber darüber schweigen sich die Informationstafeln im Museum aus.

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