Die Plantage von George Washington

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Wer sich einen Nachmittag Zeit nimmt, um durch die US-Hauptstadt zu laufen, dem fallen die vielen Denkmäler zu Ehren von George Washington auf. Das bekannteste ist natürlich das Washington Memorial, der Obelisk auf der Mall. Daneben gibt es aber auch die Reiterstatue auf dem Washington Square, die Büste beim Eingang der George Washington Universität, das Washington-Buntglasfenster im Kapitol. Hinzu kommen die zahlreichen Figuren in den Museen oder Kirchen der Stadt.

DC ist ohne George Washington nicht vorstellbar. Allem voran deswegen, weil er als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee maßgeblich daran beteiligt war, dass sich die USA von Großbritannien loslösen konnten und ein unabhängiges Land wurden. Als erster Präsident  bestimmte er außerdem den Ort, an dem die Hauptstadt liegen sollte. Meine Bekannte Viktoria sagte unlängst: „Wenn du dir nicht sicher bist, wie ein Gebäude oder Zentrum hier heißt, dann versuch es einfach mit George Washington und du liegst fast immer richtig.“ Dabei zeigen die Denkmäler stets Washington als Staatsmann: den Landesvater; den General; den gerechten Präsidenten, der nach zwei Amtszeiten freiwillig zurücktrat und somit alle Befürchtungen ausräumte, ein neuer König zu werden.

Einen ganz anderen Blick erlaubt der Landsitz Mount Vernon. 16 Meilen südlich von DC im Bundesstaat Virginia gelegen, handelt es sich um Washingtons Tabak-Plantage. Hier kann man den US-Präsidenten als Architekten kennen lernen, als Farmer, aber auch als Gesellschafter mit einem Hang zur Fuchsjagd und zum Pokerspiel. Hauptattraktion ist das Herrenhaus im georgianischen Stil, das den gleichen Anstrich wie zu Washingtons Zeiten besitzt. Im Inneren sieht man die Gäste- und Schlafzimmer, den Speisesaal und das Büro. Etwas kurios: In jedem Raum steht ein anderer Museumsführer, der immer wieder die gleichen Anekdoten erzählt (und dementsprechend gelangweilt wirkt).Entlang des Gartens gelangt man zum Grab von Washington und seiner Frau Martha. Eigentlich gab es nach seinem Tod Bestrebungen, die Ruhestätte in DC zu errichten. Nach unzähligen Streitigkeiten beließ man es beim letzten Willen des US-Präsidenten und errichtete ein Mausoleum.

Washington war ein Mann seiner Zeit: Er kämpfte zwar für die Unabhängigkeit seines Landes und sprach sich für die Freiheit aller Menschen aus, hatte aber doch Sklaven auf seiner Plantage. Mehr als 300 Männer und Frauen beackerten das Land, hielten das Anwesen in Ordnung oder kümmerten sich um das leibliche Wohl der Familie. Ihnen allen ist unweit von Washingtons Grab ein Gedenkstein gewidmet. Erst nach dem Tod des US-Präsidenten wurden die verbliebenen Sklaven in die Freiheit entlassen. Dabei war Washington selbst einer der wenigen erklärten Gegner der Sklaverei in den Anfangsjahren der USA. Dass er als Präsident dennoch diese Institution nicht abschaffte, beruht wohl auf der Tatsache, dass er keine Spaltung des gerade erst gegründeten Landes riskieren wollte. Dieses Risiko ging erst Abraham Lincoln ein. Weswegen er auch heute bei Präsidenten-Rankings meist an erster Stelle steht.

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Ein Gedanke zu “Die Plantage von George Washington

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