Starving for Justice

Fotopm

Der Supreme Court ist das höchste Gericht der Vereinigten Staaten. Nur wenige Meter vom Kapitol gelegen, dient es unter anderem dazu, die Entscheidungen des Kongresses zu überprüfen und zu sagen, ob diese verfassungswidrig seien. Die gesetzliche Krankenversicherungspflicht „Obamacare“ war so ein Fall: 2012 hatten sich viele Republikaner erhofft, dass der Supreme Court das Gesetz kippt – und wurden enttäuscht. Dafür hat das Gericht vor gut zwei Wochen entschieden, dass Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet seien, Verhütungsmittel für ihre Angestellten zu bezahlen (die Firma Hobby Lobby hatte geklagt, weil sie meinte, dass dadurch ihre religiösen Überzeugungen verletzt würden).

Ein weiteres sehr kontroverses Thema ist und bleibt die Todesstrafe. Die Entscheidung, ob ein Verbrecher hingerichtet werden soll, liegt in den USA zwar bei den einzelnen Staaten. Doch der Supreme Court könnte alle Exekutionen für verfassungswidrig erklären. Solange das nicht passiert, fristen vor allem im Süden der USA viele Menschen ihr Leben im Todestrakt. Erst gestern fanden in Georgia und in Florida erneut Hinrichtungen statt.

Doch die Gegner sind auf dem Vormarsch. Vor kurzem demonstrierten einige von ihnen vor dem Supreme Court gegen die Todesstrafe. Es war keine laute Protestbewegung mit schrillen Bannern oder Hetzparolen. Stattdessen bevölkerten die Aktivisten den Vorhof des Gebäudes, stellten Informationswände auf und ein Mikrofon. Sie ließen Menschen zu Wort kommen, die ihre persönlichen Erfahrungen mit der Todesstrafe gemacht hatten. Eine Frau, deren Bruder im Todestrakt sitzt. Ein Mann, der als Schöffe einige Verbrecher zum Tode verurteilen ließ. Eine Frau, die sich nach der Ermordung ihres Bruders mit der Tatsache konfrontiert sah, dass der Mörder eventuell hingerichtet wird – und sich dagegen aussprach.

Sie alle kamen nach Washington, um ein Zeichen zu setzen. Vier Tage lang fasteten sie hier, nannten die Aktion „Starving for Justice“ – wobei das Hungern nicht nur im wörtlichen Sinne, sondern auch als ein Sehnen nach Gerechtigkeit zu verstehen war. Auch wenn viele von ihnen wussten, dass der Supreme Court die Todesstrafe nicht einfach abschaffen wird, hofften sie doch, möglichst viele Bürger umzustimmen. Damit die Empörung im Land wächst.

Meine Reportage über die Protestaktion findet ihr hier.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Starving for Justice

  1. Pingback: Time to say goodbye | US-Logbuch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s