Ein Schrein für guten Journalismus

DSC_0887pm

Journalisten sind die ersten Skizzierer der Geschichte, sagt ein US-amerikanisches Sprichwort. Doch wie entsteht aus einem Ereignis eine Nachricht? Welche Hindernisse müssen die „first drafters of history“ überwinden? Und wer von ihnen riskierte für die Aufdeckung der Wahrheit sein Leben? Auf diese Fragen gibt das Newseum in Washington eine Antwort.

Auf sieben Etagen vereint dieses Museum Fotos, Filme und jede Menge Zeitungen rund um das Thema Journalismus. Die Tourismuswebsite TripAdvisor stellte es auf Platz 7 von insgesamt 248 Sehenswürdigkeiten, die man in Washington besichtigen sollte. Wer schon einmal dort war, versteht die hohe Platzierung.

Das Museum liegt an der Pennsylvania Avenue und ist relativ neu: 2008 wurde es eröffnet, der Bau kostete 450 Millionen Dollar. Eine stolze Summe, die auch deshalb so hoch war, weil man das Gebäude auf der zweitwichtigsten Straße Washingtons (neben der Mall) in direkter Nähe zum Capitol Hill bauen wollte. Es war das letzte Gebäude, das hier errichtet wurde.

Hauptattraktion ist der 9/11-Saal. Ein großer Raum, in dessen Zentrum eine verbogene TV-Antenne aufgestellt ist, die vorher dem Nordturm des World Trade Centers geschmückt hatte. Auf der Wand hängen plakatgroße Kopien von Tageszeitungen mit den Titelseiten, die sich alle dem Anschlag widmen. In einem verdunkelten Saal läuft ein Film, in dem Journalisten darüber berichten, wie sie den Tag in New York erlebt haben und wie schwer es ihnen gefallen war, inmitten der Trauer und des Todes Interviews zu führen oder einen TV-Beitrag zu drehen. Wenn man aus dem Saal heraustritt, findet man eine Box mit Taschentüchern.

Neben diesem bedrückenden Stück Zeitgeschichte hat das Newseum noch weitere eindrucksvolle Galerien. Im Keller befindet sich ein Raum, in dem Teile der Berliner Mauer und ein Wachturm aufgestellt wurden. Ein Gang ist mit den Zeitungen des Tages geschmückt, ein weiterer Raum zeigt Fotos von denjenigen Journalisten, die vor kurzem ihr Leben gelassen hatten. Besonders bewegend war für mich auch die Ausstellung „Picture of the Year“, in dem die besten Fotografien zu sehen sind, die in Zeitungen oder Magazinen gedruckt worden waren.

Mit 22 Dollar ist der Eintritt ins Newseum verhältnismäßig teuer. Doch das Geld lohnt sich – und man kann locker mindestens einen halben Tag hier verbringen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s