Warten auf den Home Run

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Sportveranstaltungen nehmen in den USA bekanntermaßen eine große Rolle ein. Und dennoch dauerte es mehr als einen Monat, bis ich das erste Mal ein Stadion von innen sehen konnte. Bisher beschränkte sich mein Sportkonsum darauf, die WM in Brasilien zu verfolgen – inklusive amüsanter Kommentare meiner US-amerikanischer Kollegen („Wo sind die Cheerleader?“)

Als Revanche für meine Geduld nahmen mich vier meiner Mitbewohner nun zu einem Baseball-Spiel mit. Am Mittwoch traten die Washington Nationals gegen die Colorado Rockies an – und wir waren dabei. Die Nationals sind erst seit kurzem in DC: 1969 wurde das Team in Montreal gegründet und galt als einzige Mannschaft außerhalb der USA, die dennoch in der MLB mitspielte. Da die Zuschauerzahlen immer geringer wurden, zog die Gruppe 2005 nach Washington und erhielt ihren jetzigen Namen.

Baseball gilt als eher langweiliger Sport – zumindest zum Zuschauen. Die meiste Zeit über stehen die Spieler auf dem Feld und warten, dass der Batter der gegnerischen Mannschaft den Ball trifft. Erst dann kommt ein wenig Bewegung ins Spiel: der Batter versucht, eine der drei Bases zu erreichen, bevor der Ball dorthin geworfen wird. Gelingt ihm das, ist er safe und wartet auf den nächsten erfolgreichen Schlag. Hat er alle drei Bases passiert und ist wieder am Startfeld angelangt, erhält seine Mannschaft einen Punkt. Wird der Ball jedoch direkt aus der Luft gefangen, sind alle Spieler, die sich auf dem Feld befinden, out. Ein weiteres Out wird erzielt, wenn der Batter drei Mal den Ball nicht trifft, der vom Pitcher geworfen wird.

Nach jedem dritten Out wechseln die Mannschaften ihre Positionen. Nach jedem sechsten Out ist eine Runde zu Ende, das sogenannte Inning. Ein Baseball-Spiel hat neun Innings – was bedeutet, dass es mehrere Stunden dauern kann. Wenn dann noch Gleichstand herrscht, wird sogar weiter gespielt. Das längste jemals verzeichnete Spiel fand 1981 zwischen den Pawtucket Red Sox und den Rochester West Wings statt: Es hatte 33 Innings und zog sich über 8 Stunden und 25 Minuten. (Vielen Dank an Kevin für die Erläuterungen.)

Um die Besucher zu unterhalten, gibt es nach jedem Inning eine Showeinlage: Mal darf ein Zuschauer bei einem Gewinnspiel mitmachen, mal liefern sich als bekannte Präsidenten verkleidete Menschen einen Wettlauf – den sogenannten Presidents Race (siehe unten). Und dann gibt es noch die Musik: Die wird gespielt, wenn ein Batter einen Home Run erzielt – der Ball außerhalb des Feldes auf die Tribüne geschlagen wird. Nach dem siebten Inning stehen zudem alle Menschen auf und singen „Take Me Out to The Ball Game“. Es geht also vor allem um die Show und das soziale Miteinander. Baseball ist ein Sport, zu dem man in einer möglichst großen Gruppe geht. Und manchmal auch mit besonderen Einlagen überrascht wird: So fand bei uns im Anschluss an das Spiel ein Feuerwerk statt – als Einstimmung auf den Nationalfeiertag, der am 4. Juli zelebriert wird.

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