Das Ende von „Chocolate City“?

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Der 2. Juli ist ein wichtiges Datum für die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Heute vor 50 Jahren unterzeichnete Präsident Lyndon B. Johnson den Civil Rights Act, der die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen aufhob. Eine Anerkennung für den Kampf der schwarzen Bevölkerung. Doch was ist aus dem Traum von Gleichberechtigung geworden? Darüber sollte ich eine Reportage für die Deutsche Welle verfassen.

Ein Blick auf DC war naheliegend: Washington gilt als erste US-amerikanische Großstadt, in der mehr schwarze als weiße Bürger lebten. In den späten 1960er Jahren erhielt die Stadt den Beinamen „Chocolate City“. Doch die Situation hat sich verändert. Wie in anderen Metropolen weltweit ist auch hier die Gentrifizierung auf dem Vormarsch. Die Wohnpreise explodieren: Wohlhabende weiße Bürger ziehen ein, die ärmeren Einwohner (vor allem Schwarze) können sich die Mieten nicht mehr leisten. So geschehen auf der U-Street, dem ehemaligen „Black Broadway“ von DC.

Ein anderes Bild bot sich mir in Anacostia. Der Stadtteil liegt östlich des gleichnamigen Flusses in Washington und gilt als sozialer Brennpunkt der Stadt. Hier wohnen immer noch weit über 90 Prozent Schwarze, die Arbeitslosenquote liegt bei 17 Prozent. Es gibt mehr Schnapsläden als Cafés. Immer noch hält sich das Gerücht, dass man als Weißer besser nicht hierher gehen sollte – was natürlich übertrieben ist. Und wenn man genau hinschaut, findet man auch hier erste Anzeichen der Gentrifizierung.

Ein großer Dank gilt den Frauen der Organisation „Bread for the City“. Die Sozialarbeiterinnen nahmen sich einen Nachmittag Zeit, um mir ihr Viertel zu zeigen und mich mit Bewohnern aus Anacostia in Kontakt zu bringen. Ein wenig surreal war die ganze Begegnung schon: Am Bahnhof wurde ich von Sherita Evans und ihrem Partner abgeholt. In einem Lincoln ging es erst zum Sozialzentrum, dann weiter zu Evans eigener Wohngegend. Aussteigen – kurzer Spaziergang durch das Viertel – einsteigen – weiterfahren. Unterwegs kamen wir auch an einer Spezialeinheit der Polizei vor einem heruntergekommenen Gebäude vorbei. Der Kommentar meiner Begleiterin: „Das ist komisch. Heute ist doch Mittwoch. Normalerweise finden die Razzien hier immer am Dienstag und Donnnerstag statt.“

Anacostia hat also noch viele Probleme. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, waren dennoch sehr herzlich. Sie sprachen offen über Arbeitslosigkeit, Aufenthalte im Gefängnis und den Traum von Gleichberechtigung. Ein Hauptargument: Das Schulsystem müsse verbessert werden. Und die Verschönerungen in ihrem Viertel sollen allen Menschen – auch den afroamerikanischen Bürgern – zu Gute kommen.

 

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