Paddeln auf dem Fluss der Nation

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Er wird gerne als „the Nation’s River“ bezeichnet: der Potomac, der sich mehr als 650 Kilometer von seiner Quelle in West Virginia bis zur Chesapeake Bay schlängelt. Den Beinamen hat er durch seine historische Bedeutung erhalten. George Washington wurde nahe dem Fluss geboren, sein Landsitz Mount Vernon gilt heute als beliebte Touristenattraktion. Während des Amerikanischen Bürgerkrieges war der Potomac eine natürliche Grenze zwischen Nord- und Südstaatentruppen und diente als Schauplatz mehrerer großer Schlachten. Nicht zu vergessen, dass er durch Washington, D.C. fließt.

Vom Potomac aus kann man einen ungewohnten Blick auf die Monumente, etwa das Lincoln Memorial, werfen. An sonnigen Tagen wie gestern empfiehlt sich aber auch eine Kanu- oder Kajakfahrt. Durch meinen Kollegen Stefan wusste ich, dass es unweit der Roosevelt Island einen Bootsverleih gibt. „Boating in DC“ hat seinen Stand direkt an der Key Bridge im Stadtteil Georgetown. Nach einer kurzen Einweisung kann man auf den Fluss – darin schwimmen ist allerdings in DC verboten.

Ein Grund dafür ist die immer noch weit verbreitete Annahme, dass der Potomac zu den dreckigsten Flüssen des Landes zählt. Präsident Lyndon B. Johnson nannte ihn 1965 „a national disgrace“, weil damals Abwasser und Algen den Potomac verschmutzten. 1969 erklärte die Stadt sogar, dass jeder Kontakt mit dem Wasser „ernsthafte gesundheitliche Folgen“ haben könnte. Seitdem hat sich einiges getan: 1992 wurde das „Jahr des sauberen Wassers“ ausgerufen, Renaturierungs-Kampagnen fanden statt. Seit 2007 gibt es einen Triathlon, bei dem die Teilnehmer dank Sondergenehmigung sogar ins Wasser dürfen.

Wer dennoch um seine Gesundheit besorgt ist, der bleibt einfach im Boot – und fährt zur Roosevelt Island. Die kleine Insel verdankt ihren Namen dem 26. US-Präsidenten Theodore „Teddy“ Roosevelt . In der Mitte ist eine große Statue aufgestellt. Ansonsten gibt es einen Park, in dem auch Wildtiere beheimatet sind. Gestern haben wir auf einem der Schleichwege ein Reh gesehen. Zu Fuß erreicht man die Insel übrigens auch – allerdings nur von Arlington aus. Und das liegt bekanntermaßen in Virginia. Wenn die Washingtoner also ihrem Präsidenten die Ehre erweisen wollen, müssen sie erst raus aus ihrem District, hinein in den Nachbarstaat.

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Ein Gedanke zu “Paddeln auf dem Fluss der Nation

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