Kennedys Friedensgruppe

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Wer vom Büro der Deutschen Welle zur nächstgelegenen Metrostation läuft, kommt an einem siebenstöckigen Gebäude vorbei, an dessen Fassade große Fotografien aushängen. Die Bilder zeigen junge Menschen bei der Arbeit: mal helfen sie auf einer Kaffeeplantage, mal spielen sie mit Kindern oder teilen Wasser an afrikanische Dorfbewohner aus. Es handelt sich um Freiwillige des Peace Corps – einer US-Organisation, die ihre Zentrale in Washington hat.

Das Friedenskorps wurde vor 53 Jahren von Präsident John F. Kennedy ins Leben gerufen. Ziel der neu eingerichteten unabhängigen Behörde war es, US-Amerikaner ins Ausland zu schicken, um vor allem in Entwicklungsländern Hilfe anzubieten und gleichzeitig amerikanische Werte zu verbreiten. Es war die Zeit des Kalten Krieges und die Vereinigten Staaten wollten dem wachsenden Einflussbereich der Sowjetunion sowies Chinas etwas entgegensetzten.

Der Eiserne Vorhang ist gefallen, doch das Peace Corps existiert immer noch. Bis Ende 2013 haben 215000 Helfer daran teilgenommen – darunter auch mehrere meiner Mitbewohner. Mein direkter Zimmernachbar Justin war in Togo, Kollege Zack vom mittleren Stockwerk lebte in Gambia und ist vor ein paar Tagen mit der Organisation nach Benin geflogen. Der unter mir hausende Nachbar Jeff wiederum arbeitete als Englischlehrer im Osten der Ukraine, bevor die Krim anektiert wurde und alle US-Amerikaner aus Sicherheitsgründen abziehen mussten.

Seitdem sitzt er hier in DC und wartet darauf, wieder ins Ausland geschickt zu werden. Man verpflichtet sich nämlich für zwei Jahre, wird in dieser Zeit mit einem Monatsgehalt versehen, das der Bezahlung eines einheimischen Arbeitskollegen entspricht. Nach der Rückkehr gibt es eine Prämie und der Peace Corps hilft dabei, sich erneut an westliche Standards einzugewöhnen. Jeff war nur wenige Monate weg und ist heiß darauf, wieder ins Ausland zu gehen. Doch er muss sich gedulden: die Nachfrage ist groß, die Warteliste dementsprechend lang. So wie es aussieht, wird er erst im Januar 2015 losgeschickt – aller Voraussicht nach geht’s dann nach Marokko. Um Sprachprobleme macht er sich keine Sorgen: Alle Mitarbeiter des Peace Corps bekommen Intensivkurse, um sich mit den Leuten vor Ort unterhalten zu können.

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3 Gedanken zu “Kennedys Friedensgruppe

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