„I believe that we will win“

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Die USA sind nicht gerade bekannt als Fußballnation. Baseball, Basketball und natürlich American Football sind die Sportarten, die die Massen in die Stadien und Zehntausende vor den Fernseher locken. Normalerweise. Aber eine Weltmeisterschaft weckt den Patrioten im US-Amerikaner und lässt ihn auch für seine Augen skurrile Spiele verfolgen.

Deshalb ist die Lucky Bar am gestrigen Montag (17. Juni) bis auf den letzten Platz gefüllt. Viele Besucher müssen stehen – freuen sich dennoch, dass sie es wenigstens in die Sportkneipe hinein geschafft haben statt das Los vieler Washingtoner zu teilen und in der Schlange vor dem Eingang an der Connecticut Avenue zu stehen. Sie alle warten auf den Anpfiff zum Spiel USA–Ghana. An den Wänden hängen Flaggen von Argentinien, Japan, Brasilien. Keine Stars and Stripes. Dafür haben viele Besucher die Nationalfahne mitgebracht, als T-Shirt-Aufdruck oder als provisorischer Umhang.

„Fußball wird erst seit zehn Jahren hier so richtig beachtet“, sagt Jennifer, die eine Kopftuch-Flagge trägt. „Und seitdem Jürgen Klinsmann Trainer ist, spielen wir auch richtig gut.“ Jennifer kommt aus Iowa, hat wie viele US-Amerikaner aus dem mittleren Westen deutsche Vorfahren. Schon allein deshalb verfolgt sie die WM. Außerdem, so erklärt ihr Freund Mike, sei Fußball an der Ost- und Westküste beliebt, sowie in den Großstädten. Überall dort, wo es sportbegeisterte Migranten gibt. „Aber es ist etwas für junge Menschen. Unsere Väter haben es nie geguckt, wir mögen es.“

Als in der ersten Minute nach Anpfiff ein Tor für die USA fällt, bricht in der Lucky Bar das Chaos aus. Jubelschreie ertönen, Fahnen werden geschwenkt, wildfremde Menschen fallen sich in die Arme. Die Masse fiebert mit, etwa wenn Team-Kapitän Clint Dempsey einen Tritt ins Gesicht bekommt und mit blutiger Nase am Spielfeldrand stehen muss. Oder wenn Ghana in der 82. Minute das Gegentor schießt. Kurze Schockstarre in der Bar. Dann machen die Amis das, was sie am besten können: sich selbst Mut zureden. Sprechchöre werden angestimmt. „I believe that we will win“. Schon bald brüllt der ganze Laden mit. Und rastet aus beim 2:1-Endstand für die USA. Bruce Springsteen wird über die Lautsprecher eingespielt: „Born in the USA“.

Spätestens jetzt merkt man, dass man in den USA ist. Und freut sich auf das nächste Spiel der US-amerikanischen Mannschaft. Am 26. Juni tritt das Team gegen Deutschland an.

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