Mrs. President?!

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Sie wird gefeiert wie ein Superstar. Als Hillary Clinton am Freitagabend (13. Juni) die Bühne im Lisner Auditorium an der George Washington Universität betritt, ist für die Besucher kein Halten mehr: sie stehen auf, skandieren ihren Namen, applaudieren. Hier im Raum sind sich alle sicher, den nächsten US-Präsidenten zu sehen.

Clinton genießt die Ovationen, setzt sich mit einem Lächeln in den grauen Sessel neben die Moderatorin des Abends, Lissa Muscatine. Beide Frauen sind gekommen, um Clintons Buch „Hard Choices“ vorzustellen. Ein wichtiges Werk für die Ex-US-Außenministerin:

Doch trotz harter Kürzungen von Seiten des Verlags sind es zum Schluss 656 Seiten geworden. Bei der Lesung fasst Clinton zusammen, was ihre Rolle in der Obama-Regierung war.

Und deshalb bereiste sie die Welt, legte fast eine Million Meilen zurück, besuchte 112 Länder. Sie war in Asien, um eine Hinwendung Amerikas in die Pazifikregion zu betonen; sie besuchte Europa, um die alten Partner nicht zu verschrecken. Dabei, so Clinton bei der Lesung, wollte sie ein neues Amerikabild verkaufen: weg von der Weltpolizei, hin zu mehr Diplomatie.

Ein Konzept, dass sie auch in Bezug auf die aktuellen Unruhen im Irak angewendet sehen möchte. Die USA könne nicht mehr einfach eingreifen, alles bombardieren und abziehen. Bei der Lesung stellt sie ihre Ideen zum Irak vor und kritisiert dabei vor allem Ministerpräsident Nuri al-Maliki, der zu lange die Sunniten im Land unterdrückt hätte.

Trotz allen Ernstes bietet das einstündige Gespräch auch Raum für heitere Momente. Interviewerin Lissa Muscatine – eine enge Vertraute Clintons, die ihr auch beim letzten Buch geholfen hatte – lässt Hillary ein wenig aus dem Nähkästchen plaudern. Was die Politikerin gerne macht, um sich als charmante Frau mit kleinen Fehlern zu präsentieren.

Ob dieses Talent hilft, das höchste Amt in den USA einzunehmen? Das Thema Präsidentschaftswahlkampf sparen die Frauen an diesem Abend aus. Aber zwischen den Zeilen lässt Clinton immer wieder Andeutungen fallen. Wie etwa direkt am Anfang, als sie eine neue politische Redekultur empfiehlt – und sich als ehrliche Politikerin darstellt.

Eine gute Empfehlung für ihre Kandidatur als Präsidentin? Darüber sind sich im Lisner Auditorium alle einig. Clinton genießt die Aufmerksamkeit, bleibt zum Schluss noch an der Bühne stehen, um Hände zu schütteln und für Selfies zu posieren. Als eine Besucherin ihr Kleinkind entgegenstreckt, nimmt Hillary es strahlend in die Arme. Ein Bild, das fast schon an die Auftritte des Papstes erinnert. Dieses Amt kann sie nicht anstreben. Alles andere wird sich zeigen.

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