On the Road

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Nach nur einer Woche in den Staaten beginnt für mich die erste große Reise: raus aus DC, rein nach West Virginia. Der Mountain State besitzt nämlich eine der größten Kohlevorkommen der USA – und ist somit besonders stark von den neuen CO2-Emissionsrichtlinien betroffen. Wenn nämlich die Kohlekraftwerke abgestellt werden, dann müssen auch Minen schließen, so die Befürchtung der Menschen. Was die einfache Bevölkerung dazu sagt, das soll ich in den nächsten Tagen herausfinden.

Mein erster Anlaufort für die Recherche ist Charleston, die Hauptstadt West Virginias. Was vor allem für den gestrigen Tag eine lange Anreise bedeutete: 360 Meilen, umgerechnet 580 Kilometer. Und da man in den Staaten durchschnittlich 65 Meilen pro Stunde fahren darf, war ich fast sieben Stunden lang unterwegs – in meinem Mietwagen, einem Hyunday Elantra. Immerhin zum „Auto des Jahres in Nordamerika 2012“ gekürt, aber irgendwie doch nicht so mein Modell. Vor allem, weil es zwar ein Automatik-Fahrzeug ist, bei dem man aber dennoch manuell die Gänge hochschalten muss.

Das Gute an der langen Fahrt: ich konnte mich etwas mehr in das US-Radioangebot vertiefen. Neben religiösen Sendern (in denen vor allem Predigten ausgestrahlt werden) und den normalen Chart-Programmen gibt es hier auch eine große Anzahl an Nachrichten-Magazinen mit stundenlangen Talk-Shows. Und diese hatten am Freitag vor allem ein Thema: das D-Day-Jubiläum. Veteranen kamen zu Wort, Historiker sprachen über den letzten großen Sieg des US-amerikanischen Militärs. Man ließ sich feiern, immerhin sei man damals  noch in einnen Krieg gezogen, bei dem der Gegner eindeutig böse war. Und vor allem rechte Sender wie Fox Radio hatten ihre Freude daran, die Landung der alliierten Truppen in der Normandie mit der aktuellen Lage um den Soldaten Bowe Bergdahl zu vergleichen.

Damals, so ihr Fazit, hätte man noch stolz sein können auf das Militär. Heute müsse man Deserteure befreien. Gemeint ist Sergeant Bergdahl, der fast fünf Jahre lang in Kriegsgefangenschaft unter den Taliban gelebt hatte. Am Samstag (31. Mai) war er frei gekommen, als Austausch hatten die US-Amerikaner fünf Taliban-Häftlinge aus Guantanamo entlassen. Allein dieser Deal sorgte bei konservativen Politikern für Unmut. Doch die Empörung wurde erst so richtig groß, als von ehemaligen Kollegen Bergdahls zu vernehmen war, er hätte seinen Posten unerlaubterweise verlassen. Private Mails wurden veröffentlicht, in denen sich Bergdahl kritisch gegen den Afghanistan-Einsatz geäußert hatte. Und damit entstand der Verdacht, er sei womöglich geflohen und hätte sich freiwillig den Taliban gestellt.

Obama erfährt also zurzeit einigen Gegenwind in seiner Heimat. Das wird wohl auch mein Eindruck in West Virginia sein, wenn es um die Umweltpolitik und die Schließung von Kohlekraftwerken geht…

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