Ess-Kultur

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Der fünfte Tag in Washington beginnt und noch immer stellt mich das Essen vor gewisse Herausforderungen. Nicht etwa die Qualität: mit seinen unzähligen Restaurants und Pubs bietet DC für jeden Geschmack das passende, auch gut bezahlbare und dennoch leckere Menü.

Aber die Größe macht’s. Nach einem US-Mittagessen ist der gewöhnliche Europäer den restlichen Tag über satt. Egal ob nun ein Burger im Five Guys Downton (Jans Lieblings-Burgerladen), eine Enchilada beim El Tamarindo im Szeneviertel Adam’s Morgan oder ein Steak im Tastee Diner außerhalb Washingtons im Vorort Silver Spring, Maryland – die Portionen haben es in sich. Zudem gibt es Getränke im Refill-Modus: einmal gezahlt, unendlich viel Nachschub. Wem das noch zu teuer ist, der kann kostenloses Leitungswasser erhalten.

Gestern hat sich mein Mitbewohner Mark erbarmt und uns ein wenig in die Washingtoner Ess-Kultur eingeführt. Mark ist Republikaner, kommt ursprünglich aus Oklahoma, lebt waffenfrei, aber begrüßt es, wenn man in die Wildnis zieht und sein Essen selbst erlegt. Fleisch serviert man laut ihm am besten blutig oder med well done. Komplett durchgebraten sollte es nicht sein, das wäre ein Zeichen dafür, dass der Koch keine Ahnung habe und das Steak zu lange in der Pfanne braten ließ.

Auch beim Trinken hat Spirituosen-Fan Mark genaue Vorstellungen. Zum Brunch bestellt er am liebsten eine Bloody Mary und am Abend lässt er sich den Martini mit Gurke servieren. Wenn es keinen cucumber gibt, erhält das Restaurant umgehend eine schlechte Bewertung auf Facebook und die Kellnerin eine Unterweisung, warum Oliven keinen Ersatz darstellen.

Für die nächsten Wochenenden möchte er einen Plan erstellen, wo man überall noch in DC und Umgebung essen gehen soll. Schließlich habe Washington mit seiner großen äthiopischen Gemeinde „a lot of exotic food“ zu bieten. Und auch die cocina latinoamericana sei nicht zu verachten. Nur eine Sorte Essen sei unterrepräsentiert: die indianische Küche. Als Kickapoo-Indianer hat sich Mark nach entsprechendem Essen umgesehen und nur ein einziges Restaurant in der Area gefunden, das zumindest im Ansatz Tribe-Speisen serviert. Sein Urteil: „It’s very americanized.“ Und das sei in diesem Fall kein Kompliment.

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